„Alter, Armut, Schulden“ lautet das Thema der diesjährigen Aktionswoche Schuldnerberatung, die vom 18. – 22. Juni 2012 bundesweit stattfindet. Schirmherrin der Aktionswoche ist Frau Prof. Dr. Rita Süßmuth.

Anlass der Aktionswoche Schuldnerberatung ist die in den letzten Jahren steigende Zahl von alten Menschen, die wegen finanzieller und persönlicher Schwierigkeiten Hilfe bei einer gemeinnützigen Schuldnerberatungsstelle der Wohlfahrtsverbände oder der Verbraucherzentralen suchen. Durch sozial- und arbeitsmarktpolitische Entscheidungen wurde und wird eine Entwicklung forciert, die nach Kinderarmut nun auch Altersarmut zu einem gesellschaftlich brisanten Problem anwachsen lässt.

Die Schuldnerberatung der Verbände sieht sich durch die entstehende Altersarmut in mehrfacher Weise herausgefordert: Erstens muss sie passgenaue Konzepte für bereits überschuldete Menschen im Rentenalter erarbeiten.
Hier geht es darum, die spezifischen Lebenslagenmerkmale und Problemstellungen älterer Schuldner differenziert zu erkennen, ihre Bedürfnisse und Bedarfe in der Beratung zu berücksichtigenund mit großer Sensibilität gemeinsam mit ihnen Lösungen zu erarbeiten.

Zweitens ist die Schuldnerberatung im Rahmen individueller Präventionsarbeit gefordert. Es ist notwendig ältere Menschen darauf vorzubereiten, dass sie im Rentenalter unter Umständen sehr wenig Geld zur Verfügung haben. Das kann etwa durch eine frühzeitige Budgetberatung schon vor dem Renteneintritt geschehen. Wir freuen uns in diesem Zusammenhang, dass das Präventionsnetzwerk Finanzkompetenz e. V. die Aktionswoche Schuldnerberatung als Kooperationspartner unterstützt. Drittens muss Schuldnerberatung im Rahmen ihrer strukturellen Präventionsarbeit bei politischen Entscheidungsträgern darauf hinwirken, dass förderliche Faktoren für Altersarmut, wie beispielsweise Langzeitarbeitslosigkeit, prekäre Beschäftigung und Niedriglöhne, durch geeignete Maßnahmen zurückgedrängt werden. Alten Menschen, für die präventive politische Maßnahmen bereits zu spät kommen, muss staatlicherseits ein soziokulturelles Existenzminimum garantiert werden, das die Würde des Menschen auch im Alter sichert und eine angemessene Teilhabe ermöglicht. Die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände möchte durch die Aktionswoche die Öffentlichkeit für das Thema „Alter, Armut, Schulden“ sensibilisieren. Des Weiteren soll die konzeptionelle Diskussion der Schuldnerberatungsstellen zum Umgang mit überschuldeten älteren Menschen angeregt werden. Darüber hinaus bietet die Aktionswoche Gelegenheit, politische Akteure auf allen Ebenen anzusprechen und überfällige, strukturell-präventive Maßnahmen einzufordern.

Im Namen der AG SBV möchte ich alle relevanten Akteure im Bereich der Schuldnerberatung einladen, mit eigenen Aktivitäten zum Gelingen der Aktionswoche 2012 beizutragen. Zur Unterstützung solcher Aktivitäten stehen wie jedes Jahr Informationen und Materialien unter www.aktionswoche-schuldnerberatung.de bereit (Musterpressemeldung, Veranstaltungskonzeption, Statements etc.). Das Plakat zur Aktionswoche kann bei den beteiligten Verbänden angefordert werden.

Berlin, den 09. Februar 2012
Matthias Bruckdorfer, Sprecher AG SBV