von Hilde Mattheis, MdB, Sprecherin der AG Verteilungsgerechtigkeit der SPD-Bundestagsfraktion

Wir wissen, Arbeitslosigkeit ist die größte Gefahr für Überschuldung.

Wir wissen auch: Die Zahl der Arbeitslosen im Alter über 50 Jahren ist trotz des Aufschwungs im letzten Jahr kaum gesunken.

Die Folge: die Zahl verschuldeter ältere Menschen steigt an.

Umso wichtiger wird die Arbeit der Schuldnerberatungsstellen. Ihre Arbeit muss – auch im Interesse der öffentlichen Haushalte – besser ausgestattet werden, nicht nur finanziell, sondern auch auf der Ebene psychologischer und persönlicher Beratung. Denn wir wissen: Jeder Euro für die Schuldnerberatung führt zu Einsparungen bei Sozialausgaben in Höhe von zwei Euro.

Aber noch so gute Schuldnerberatung kann eine umfassende Reform der Alterssicherung nicht ersetzen.

Denn die Thematisierung von Überschuldung und Armut von älteren Menschen und den sozialen Folgen ist über den aktuellen Anlass hinaus ein dringender Hinweis mehr und effektiver präventiv tätig zu werden.

Der hohe Anteil von fast einem Viertel aller Beschäftigten, die heute mit Armutslöhnen wenig bis gar nicht für ihre Alterssicherung vorsorgen können, erwarten zurecht eine Sozialpolitik, die schon heute auf den Schutz vor Altersarmut zielt.

In einem so wohlhabenden Land wie der Bundesrepublik Deutschland ist es ein nicht hinzunehmender Skandal, wenn älteren Menschen in Armut leben müssen.

Altersarmut war in den letzten Jahrzehnten kein großes sozialpolitisches Thema: Lebensstandardsicherung und armutsfeste Renten wurden lange alleine durch die gesetzliche, paritätisch über eine Umlage finanzierte Rente gewährleistet.

Für die meisten Menschen sind nach wie vor die gesetzlichen Rentenzahlungen die wichtigste Einkommensquelle im Alter. Die gesetzliche Rentenversicherung muss auch zukünftig ein Leben ohne Armut ermöglichen.

Dafür brauchen wir auf Dauer eine umfassende und gerechte Rentenreform, an deren Traglast alle Bürgerinnen und Bürger nach Leistungsfähigkeit beteiligt werden.