Diese Aktionswoche muss die Arbeit der Schuldnerberatungen bekannt machen und gleichzeitig den öffentlichen Druck erhöhen, dass sie für eine wirkungsvolle Arbeit entsprechend ausgestattet werden. Nach wie vor ist die Schuldnerberatung unterfinanziert, und die Wartezeiten sind zu lang. Nur eine Minderheit der überschuldeten Haushalte kann die Beratung tatsächlich in Anspruch nehmen. Auch hier ist der Fortschritt eine Schnecke. Beim letzten Kompromiss in Sachen “Hartz IV” sind die Kommunen deutlich entlastet worden. Neben den notwendigen Maßnahmen für Kinder und Ausbildung muss mit diesem Geld auch die Schuldnerberatung verbessert werden. Schnelle Beratung und effiziente Hilfe sind immer noch eine wichtige Voraussetzung für eine nachhaltige Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt. Nur wenn es gelingt, auch für Menschen mit finanziellen Problemen eine dauerhafte und möglichst auch gut bezahlte Beschäftigung zu finden, werden sie sich aus dem Teufelskreis herausarbeiten können.

Überschuldung und Arbeitslosigkeit hängen eng zusammen. So ist Arbeitslosigkeit die häufigste Ursache für Verschuldung. 50% der Menschen, die überschuldet sind, sind arbeitslos, in Ostdeutschland sogar 70%. Anderseits haben überschuldete Personen enorme Schwierigkeiten, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Eine drohende Lohnpfändung lässt viele Arbeitgeber davor zurückschrecken, überschuldete Personen einzustellen. Die Bürokratie ist hoch, und der Arbeitgeber fürchtet um seinen “guten Ruf”, wenn er mit diesem Thema in Zusammenhang gebracht wird. Auch fürchten die Arbeitgeber, dass Beschäftigte, die ihren Lohn weitgehend wieder abgeben müssen, unmotiviert sein könnten. Für die Arbeitsuchenden ein Teufelskreis.

Der Gesetzgeber hat Wege ermöglicht, der Schuldenfalle zu entkommen. Doch ohne eine professionelle Schuldnerberatung sind viele Menschen mit dem Verfahren überfordert. Die Beauftragung von Schuldnerberatern für Arbeitssuchende ist deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Offensichtlich denkt man in den Behörden zu eng fiskalisch. Dass frühzeitige Schuldnerberatung Langzeitarbeitslosigkeit verhindern kann, wird zuwenig als strategisches Instrument erkannt. Hier ist ein Umdenken dringend nötig.

Daneben müssen auch die Bemühungen verstärkt werden, der Verschuldung vorzubeugen. Die Zahl der Ratenkredite hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die Zahl der Menschen, die angeben, ihre Finanzen nicht mehr im Griff zu haben, steigt ebenfalls. Um Fehlentwicklung zu vermeiden, kann Prävention und Aufklärung helfen – auch dies ist eine wichtige Aufgabe von Schuldnerberatung. Für die weitere Arbeit wünsche ich “viel Erfolg”!

Annelie Buntenbach
Mitglied des Geschäftsführenden DGB-Bundesvorstandes

admin am 23. April 2011 | Kategorie