Wir haben bereits im Jahr 1992 in unserem ersten Gutachten zur Überschuldung und Schuldnerberatung darauf hingewiesen, dass eine kontinuierliche und stabile Finanzierung der Schuldnerberatung und eine bedarfsdeckende personelle Ausstattung von Schuldnerberatungsstellen notwendig ist.

Dieses Ziel ist in den zurückliegenden 19 Jahren nicht erreicht worden. Obwohl die Effektivität der Arbeit von Schuldnerberatungsstellen wissenschaftlich nachgewiesen worden ist, wird diese Arbeit offenbar nicht als so ‚systemrelevant’ betrachtet, dass die benötigten Mittel zur Verfügung gestellt werden. Das Missverhältnis der Verwendung von Steuergeldern zur Stützung maroder Banken und des Fehlverhaltens von Bankern einerseits und der schleichende Rückzug aus der Finanzierung öffentlicher Leistungen in der Schuldnerberatung ist eklatant.

Die zu geringe Finanzierung durch die öffentliche Hand zeigt sich auch in der Unterstützung von Forschungsprojekten zur Anzahl der überschuldeten Personen und Haushalte in Deutschland. Hier hat sich das Bundesfamilienministerium völlig zurückgezogen und dieses Forschungsfeld der Banken- und Kreditwirtschaft überlassen.

Es ist deshalb nur zu hoffen und zu wünschen, dass sowohl die Träger von Schuldnerberatung wie auch die staatlichen Stellen – angeregt durch die Aktionswoche der Schuldnerberatung 2011 – sich zukünftig verstärkt um eine solide und bedarfsgerechte Finanzierung der Arbeit der Schuldnerberatungsstellen wie der Überschuldungsforschung bemühen werden.

München, 19. April 2011

Dr. Dieter Korczak
Leiter der GP Forschungsgruppe

admin am 23. April 2011 | Kategorie