Checkliste Aktionswoche 2011 zur konkreten Finanzsituation vor Ort

Um die Situation der Finanzierung der Schuldnerberatung auf den unterschiedlichen Ebenen (örtlich,
regional, Landes-/Diözesan- und Bundesebene) darstellen zu können, kann es hilfreich sein konkrete
Zahlen/Daten zu erheben.

1. Zahl der überschuldeten Haushalte
Derzeit gilt ca. jeder 12. Haushalt (7%) in Deutschland als überschuldet. Nach Angaben des
Mikrozensus lebten 2009 in Deutschland im Durchschnitt 2,04 Personen in einem Haushalt. Je
nach Einwohnerzahl des zugrunde gelegten Bereiches, kann hier die Zahl der überschuldeten
Haushalte konkretisiert werden.

2. Beratungsbedarf
Nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) ist ein
Mindestbedarfsschlüssel von 2 Beratungsfachkräften je 50.000 Einwohner notwendig. Die
demnach erforderliche Anzahl der Schuldnerberatungsfachkräfte lässt sich auf Basis der
Haushalts- und Bevölkerungszahlen der entsprechenden Region berechnen.

3. Erreichbarkeit/Wartezeiten
Nach Schätzung der Sozial- und Verbraucherverbände erreichen die Schuldnerberatung derzeit
nur etwa 10 % bis 15 % der überschuldeten Menschen. In Bezug zu den Zahlen der
überschuldeten Haushalte in der Region lässt sich hier konkretisieren, wie viel Menschen in die
Beratung kommen könnten und wie viel es tatsächlich sind. Möglicherweise können auch
Wartezeiten dargestellt werden.

4. Finanzierung
Die derzeitige Finanzierung der Beratungsstellen wird von den Ländern, den Kommunen und mit
dem Einsatz erheblicher Eigenmittel der Wohlfahrts- und Verbraucherverbände gewährleistet.
In manchen Bereichen gibt es auch eine finanzielle Unterstützung durch die
Sparkassenverbände. Es könnte aufgezeigt werden, wie sich die Finanzierung der
Schuldnerberatung in der entsprechenden Region derzeit aktuell darstellt.

5. Wirksamkeit von Schuldnerberatung
Schuldnerberatung hilft in erheblichem Umfang soziale Leistungen (wie AGL I, Krankengeld, ALG
II und Grundsicherung) einzusparen. Sie trägt dazu bei, dass überschuldete Menschen trotzdem
in Arbeit bleiben oder – bei Arbeitslosigkeit – dieses Vermittlungshemmnis reduziert wird. Nach
verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen zur Wirksamkeit von Schuldnerberatung
(zuletzt in einer Begleitstudie für den 3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung
2006) wird u.a. nachgewiesen, dass die sozialen Leistungen um ein Drittel reduziert wurden, sich
bei einem Drittel die Wohnsituation verbessert hat, ein Fünftel eine Berufstätigkeit aufnehmen
konnte und der Anteil der Klienten, die über einen gesicherten Arbeitsplatz verfügten, nahm im
selben Zeitraum um fast zwei Drittel zu. Vor dem Hintergrund dieser wissenschaftlichen
Erkenntnisse könnten konkrete Zahlen aus der Region genannt werden.
Vor dem Hintergrund dieser konkreten Zahlen könnte dann für die jeweilige Region (Stadt / Land /
Bund) eine entsprechende Pressemeldung erstellt und zu Beginn der Aktionswoche veröffentlicht
werden. Darüber hinaus könnten die maßgeblichen Politiker und verantwortlichen in der Verwaltung
informiert und gegebenenfalls auch zu einem Gespräch eingeladen werden.

Die Checkliste zum Download gibt es hier

admin am 23. April 2011 | Kategorie